Porträt des BVH
Der Bundesverband der Börsenvereine an deutschen Hochschulen (BVH) e. V. wurde im Frühjahr 1992 von den vier Börsenvereinen aus Darmstadt, Mannheim, Paderborn und Saarbrücken als Einrichtung zur Kooperation und Kommunikation zwischen den einzelnen Börsenvereinen ins Leben gerufen.
Funktion und Stellung des BVH
Der BVH, dessen Sitz sich in Mannheim befindet, fungiert als Dachverband für studentische Börsenvereine an Deutschlands Universitäten. Wie der Bundesverband sind seine Mitglieder als juristische Personen in die Vereinsregister der jeweiligen Hochschulorte eingetragen und verfolgen ausschließlich gemeinnützige Ziele. Die Mitgliedsvereine sind ausdrücklich keine Investment-Clubs, die ihre Mitgliedsbeiträge zur Kapitalanlage nutzen. Der BVH dient als Koordinationsstelle für den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Vereinen,
als überregionaler Ansprechpartner und Anlaufstelle für Unternehmen und Mitgliedsvereine. Er ist zudem Organisator ausgewählter bundesweiter Veranstaltungen, wie dem Aktionstag Börse Deutschland und der jährlichen Mitgliederversammlung mit Symposien. Um die Bedeutung und Akzeptanz seiner Mitgliedsvereine zu fördern, bietet der BVH eine Gründungshilfe für entstehende Vereine an und versucht, seine Aktivitäten sowie die seiner Mitglieder durch eine intensive Pressearbeit der Öffentlichkeit vorzustellen.
Ziele und Aktivitäten der Mitgliedsvereine
Alle BVH-Mitgliedsvereine nehmen eine Aufkärungs- und Informationsfunktion im Bereich des Bank-, Börsen- und Wertpapierwesens wahr und fördern durch ihre Arbeit die Schaffung einer Aktienkultur in Deutschland. Ziel aller Vereine ist die Popularisierung der Aktie als Anlage- und Finanzierungsinstrument sowie die Erweiterung und Vertiefung des universitären Lehrangebots auf dem Sektor der Finanz- und Kapitalmärkte durch einen engen Praxisbezug. Mittels Expertenvorträgen, Seminaren und Workshops mit kompetenten Partnern aus der Finanzwelt sowie durch Exkursionen zu Aktiengesellschaften, Börsenbesuchen usw. soll in der Öffentlichkeit das Interesse für börsenspezifische Zusammenhänge und Kapitalmarktinstrumente geweckt werden. Etabliert haben sich zudem Grundlagenseminare, die von Vereinsmitgliedern durchgeführt werden und neuen Mitgliedern als Einstiegserleichterung dienen sollen. Alle Vereine stellen ihren Mitgliedern ein umfangreiches Angebot an Gratis-Publikationen zur Verfügung, das zur Informationsversorgung der Mitglieder beiträgt. Darüber hinaus verfügen bereits einige Vereine über REUTERS und das Realtime Kursinformationssystem B.I.S.,
das allen Bundesverbands-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt wird sowie über weitere Softwarekomponenten (z. B. Hoppenstedt Bilanzdatenbank, Market Maker, Tai-Pan, NWP-Charts). So wird den im BVH organisierten Vereinen der professionelle Umgang mit aktuellen Marktdaten ermöglicht. Weitere Aktivitäten sind die Vermittlung von Praktika im Wertpapierbereich sowie die gezielte Darstellung der Vereinsaktivitäten in der Öffentlichkeit. Wesentlich erscheint auch die Existenz von Arbeitsgruppen zur Erarbeitung von Studien und Analysen, durch die sich einige Vereine bundesweit einen Namen gemacht haben. Darüber hinaus ermöglichen die Vereine ihren Mitgliedern auch die Teilnahme an Börsenspielen und das Führen von Musterdepots.Neben Gemeinsamkeiten existieren regional gewisse Unterschiede bei der Schwerpunktsetzung in den einzelnen Vereinen. Auch Lehrstuhlanbindung und Professorenunterstützung an den einzelnen Universitäten sind von Verein zu Verein unterschiedlich.
Besonderheiten in der Organisationsstruktur des BVH
Jeder Mitgliedsverein hat seinen eigenen Namen, seine eigene Satzung, seine eigenen Aktivitäten und ist rechtlich selbständig. Bei der Gründung kann der BVH zwar hilfreich zur Seite stehen, die Initiative zur Vereinsgründung kommt jedoch von Studenten des jeweiligen Hochschulortes. Die Eigenständigkeit der BVH-Mitgliedsvereine ist ihre große Stärke, da sie Eigeninitiative und Engagement der Vereinsmitglieder noch stärker fördert. Diese wichtigen Schlüsselfaktoren gehen somit nicht wie bei anderem bundesweiten Organisationen, in einer großen und schwerfälligen Struktur unter. Der BVH versteht sich zwar als Interessenvertretung
seiner Mitglieder auf Bundesebene. Er möchte jedoch aus Gründen der Vielfältigkeit nicht eine unter einheitlichem Namen auftretende Studenteninitiative darstellen. Bundesweite Veranstaltungen wie die Mitgliederversammlung, der Aktionstag Börse Deutschland und überregionale Ansprechpartner-Treffen haben zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Vereinen beitragen können. Auf regionaler Ebene werden inzwischen zahlreiche Veranstaltungen als Gemeinschaftsprojekt von zwei oder mehr Mitgliedsvereinen ausgerichtet.
BVH-Mitgliederstruktur
Nach Jahren des stetigen Wachstums ist der BVH inzwischen der Dachverband von 63 Börsenvereinen mit zusammen über 6000 Mitgliedern. Dieses macht ihn zur größten Studenteninitiative Deutschlands. Die aktiven Studenten stellen die größte Mitgliedergruppe der Vereine dar. Rund ein Drittel der Mitglieder sind jedoch ehemalige Aktive,
die ihrem Heimatverein auch nach dem Wechsel ins Berufsleben die Treue halten und somit einen idealen Brückenschlag zur Praxis liefern. Des weiteren zählen auch viele Privatleute, die das Veranstaltungsprogramm der Vereine als Informationsforum rund um die Börse nutzen, zum Mitgliederkreis der Vereine.
Förderkreis und Kuratorium
Zur Intensivierung des Kontaktes mit der Praxis sowie zur Finanzierung der Verbandsaktivitäten, existiert ein aus elf namhaften Unternehmen bestehender BVH-Förderkreis.
Das Professoren-Kuratorium, dessen Mitglieder die Aktivitäten des BVH und seiner Mitgliedsvereine ideell unterstützen, trägt zu einer Verbesserung der Verbindung zur Wissenschaft bei.
Blick in die Zukunft
Die Neugründungsinitiative an den Hochschulen ist weiterhin ungebrochen. In Folge dessen ist mit einer weiteren Zunahme der Zahl der Mitgliedsvereine zu rechnen. Diese zweifellos erfreuliche Tatsache bringt die Notwendigkeit der Weiterentwicklung mit sich. Die bisherigen Formen der Zusammenarbeit müssen überprüft und gegebenenfalls angepaßt werden, damit gemeinsame Veranstaltungen wie der Aktionstag Börse auch in Zukunft erfolgreich durchgeführt werden können und die vereinsübergreifende Zusammenarbeit intensiviert werden kann. Der BVH sieht sich als Dienstleistungsanbieter für seine Mitglieder. Dieses bedeutet, daß er den einzelnen Vereinen künftig mehr als bisher mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte, um ihnen bei der Lösung ihrer Probleme behilflich zu sein. Des weiteren bietet sich im Zuge einer Verbesserung der Kommunikationsstruktur, an der derzeit mit Hochdruck gearbeitet wird, eine Intensivierung des Erfahrungsaustausches zwischen den Vereinen an. Die jungen Vereine können so an den Erfahrungen der älteren Vereine teilhaben und die älteren Vereine von den neuen Ideen der Jungen profitieren. Es ist daher die Aufgabe des BVH, das in den Vereinen vorhandene Potential durch eine Verbesserung der Kooperation voll zur Geltung zur bringen.
Der mit fünf Prozent im internationalen Vergleich recht niedrige Anteil der Aktionäre in Deutschland weist darauf hin, daß die von den Börsenvereinen angestrebte Aktienkultur derzeit noch nicht existiert. Diese Zahlen sagen jedoch nicht die ganze Wahrheit, denn die ersten Schritte in Richtung Aktienkultur wurden bereits getan. Bei den Anlegern wurde aus vielfältigen Gründen ein Umdenkprozeß in Gang gesetzt, an dessen Ende die Aktie in den Anlageentscheidungen einen deutlich höheren Stellenwert besitzen wird, als dieses heute der Fall ist. Belege für eine solche Entwicklung sind die große Resonanz auf die von den Börsenvereinen angebotenen Veranstaltungen und Vorträge, das gestiegene Interesse der Investoren an Neuemissionen und das Erkennen der Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge, zu der Aktien einen wichtigen Beitrag leisten können. Wissend, daß sich langjährige Verhaltensweisen nicht von heute auf morgen ändern lassen, werden sich der BVH und seine Mitgliedsvereine auch zukünftig aktiv an der Förderung der Aktienkultur in Deutschland beteiligen und dem gestiegenen Informationsbedürfnis der Anleger durch weitere Veranstaltungen Rechnung tragen.